"Schönheit der schraffierten Frauen"

Wolfgang Fratzscher verewigt nackte Modells mit aufwändiger Buntstift-Technik

Viel nackte Haut ist in der Galerie Halbach am Großen Plan in Celle zu sehen. Der Künstler Wolfgang Fratzscher hebt schöne Frauen durch seine Buntstift-Technik auf den künstlerischen Thron.

CELLE. Mit heißen Motiven geht Galeristin Ute Halbach-Meinecke ins neue Jahr. Halb- und ganz nackte Frauen posierten für den Maler und Designer Wolfgang Fratzscher. 38 Arbeiten des bei Hamburg lebenden Künstlers sind seit Freitag in den Räumen am Großen Plan zu sehen. Selbstbewusst tragen die Schönheiten Titel wie „Sirene“ oder „Blauer Traum“ und stellen ihre Kurven zur Schau, besser: ihre Idealmaße. Denn Fratzscher „bezieht“ seine Modelle aus der Modelagentur seiner Frau.

Der 1944 geborene Künstler, der nach seiner Ausbildung an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg als freischaffender Maler weltweit Erfolge feierte (Ausstellungen in Panama, Buenos Aires, New York und Frankfurt) und bereits vor einem Vierteljahrhundert in der Galerie Halbach zu Gast war, liebt Frauen. „Ich verehre sie, ich bin süchtig nach ihnen“, schwärmt er lachend.

Süchtig muss man wohl sein, wenn man sich einer derart aufwändigen und zeitraubenden Technik widmet. Der Künstler wählte schon früh, vor 38 Jahren, ein Handwerkzeug, das sich eher in Kinderzimmern findet: Holzbuntstifte. In bis zu 25 Schichten schraffiert er den Bildgrund, mal horizontal, mal vertikal, mal diagonal, bis ein samtener Farbschleier das Blatt überzieht. Weit über 10000 Buntstifte mussten in seiner Karriere dran glauben. Fratzscher: „Ich spitze mehr an, als dass ich male.“

Das Ergebnis ist atemberaubend: Die sanften Übergänge wirken wie aufgesprüht. Damit es nicht zu wattig-weich wird, beginnt Fratzscher immer mit einem Gerüst aus harten Bleistiftkonturen, die sich bis zum Ende gegen die feinen Buntstiftstriche behaupten, Akzente setzen.

Eine strenge zentralperspektivische Bildarchitektur aus Säulen und Schachbrettmuster-Böden gibt den Bildern nicht nur Räumlichkeit, sie setzt die Frauen in Szene. Männer spielen wichtige, aber stets nur Nebenrollen. Symbolisch verschlüsselt treten sie als Fisch oder Vogel in Erscheinung – als Beute, die den Jagdinstinkt der Frauen weckt. Selbst in der Masse sind sie machtlos gegen das andere Geschlecht. Im Knäuel verkeilt dienen sie den Damen als wärmender Muff oder schmückende Stola. „Die Männer werden unterdrückt, um die Frauen zu erhöhen“, erläutert der Maler. Übrigens: Fratzscher ist verheiratet. „Seit dreizehn Jahren. Und zwar glücklich.“