Wilhelm Schlote: "Kunst darf nicht perfekt sein"

Gleich drei gute Gründe liefert Wilhelm Schlote, seine Schau in der Celler Galerie Halbach zu besuchen. Der Zeichner, Cartoonist und Jugendbuchautor stellt nicht nur rund hundert Zeichnungen vor. Der Künstler hat außerdem zwei Neuheiten im Gepäck: sein jüngstes Kinderbuch und sein mittlerweile drittes Celle-Plakat.

CELLE. Punkt, Punkt, Komma, Strich, Kreis drumherum, Kreis drunter, Striche rechts, links und unten. Fertig ist es: ein Wilhelm-Schlote-Männchen. In Scharen wimmeln sie seit Freitagabend in der Galerie Halbach am Großen Plan. Drollige Dinger, die nicht allein angereist sind. In den rund hundert, größtenteils neueren Werken der Schau, tauchen immer wieder Blumen auf, Sträuße in allen Farben und Formen. Schlotisch mit Holzbuntstift und raschem Strich skizziert, auf abgerissenen Notizzetteln, Notenblättern und Caféhaus-Blöcken.

Klingt nach Gekrickel. Doch so einfach ist es nicht mit der Kunst von Wilhelm Schlote. Nicht umsonst erschienen seine Cartoons und Zeichnungen in nationalen und internationalen Zeitungen wie New Yorker, Die Zeit, Die Welt, Le Monde, Figaro, Rhein-Merkur und anderen renommierten Blättern. Und nicht umsonst kann der ehemalige Kunsterzieher, der heute in Paris lebt, von dem, was er zu Papier bringt, gut leben. Als Cartoonist, Illustrator und Autor von Bilderbüchern (1976 erhielt er den deutschen Jugendbuchpreis) sowie Trickfilmzeichner hat er sich einen unverwechselbaren Stil erarbeitet. Seine Zeichnungen, so scheint es, purzeln ihm aus dem Ärmeln. Unverkrampft und lebensfroh.

„Kunst darf nicht perfekt sein“, hebt der 61-Jährige das Spontane seiner Werke hervor. Scheu vor unkonventionellen Methoden hat er nicht: Da wird der Kaffeefleck auf einer Bistro-Tischdecke zum Hintergrund für ein Figurenpaar, Fettflecke umrahmen die Szene und die Tischdecke selbst bekommt einen schönen Rahmen und wird zum Kunstwerk erhoben. Das verrückte dabei: es funktioniert. Die Ästhetik stimmt.

Schlote bindet auch Werbezüge auf Notizblättern als malerische Elemente in seine Bilder ein. Oft verleiht verblichenes Papier, alte Zettel, die er in einem Pariser Papierwarengeschäft entdeckt hat, den Arbeiten mit seinen grau-braunen Schattierungen einen morbiden Charakter. Dieser steht im spannungsvollen Kontrast zu den frischen Zeichnungen. „Die Motive sind nicht wichtig“, kommentiert Schlote das Spiel mit Materialien und Formen.

Anders verhält es sich bei seinen Buchillustrationen. Zum Beispiel in Schlotes neustem Werk „Mein Opa hat die Taschen voller Buntstifte“, das die Schau ergänzt. In der fantasievollen Geschichte spielen malende, jonglierende und fliegende Figuren die Hauptrolle.

Ob Schlote als Zeichner oder als Buchillustrator: Der Künstler versteht sein Handwerk.

Neues Celle-Plakat

Dass Celle nicht irgendein Präsentations-Ort für den Zeichner ist, demonstriert er mit seinem neuen Celle-Plakat, mittlerweile sein drittes seit 1991. Es zeigt: wieder einmal typisch Celle von typisch Schlote. Vertreten sind bekannte Orte und Attraktionen wie das Allerfackel-Schwimmen, das Oberlandesgericht, das Bieneninstitut, die Hengstparade und vieles mehr. Kurze Beschriftungen helfen beim Wiedererkennen. Das Plakat ist für 45 Euro in der Galerie Halbach zu erwerben.

Cellesche Zeitung vom 01.07.2007, von Silja Weißer