Ulrike Hansen: "Am Strand und auf der Weide"

Ulrike Hansen ist so etwas wie ein „Ghost-Painter“. Für einen Film von Rudolf Thome fertigte die Künstlerin zehn Pferdebilder. In dem Streifen malt die Schauspielerin Hannelore Elsner alias Marie Döbereiner am letzten Bild einer Pferdeserie und stellt selbige dann erfolgreich aus. Hansen macht es der Protagonistin gleich. „Am Strand und auf der Weide“ betitelt sie ihre Schau in der Celler Galerie Halbach. Zu sehen sind etwa 35 Werke, vorwiegend in Eitempera auf Leinwand gearbeitet, dazu kleine Tuschezeichnungen.

Pferde, immer wieder Pferde. Pünktlich zum Start der Celler Hengstparade zieren sie die Wände der Galerie Halbach. „Ein absoluter Zufall“, stellt die Künstlerin Ulrike Hansen klar. Zunächst habe sie sich mit ihrer Berliner Galerie als Drehort für den Film „Das Sichtbare und das Unsichtbare“ beworben. Regisseur Rudolf Thome kam - und war begeistert. Jedoch nicht von ihren Arbeitsräumen. „Ich glaube, die waren ihm zu aufgeräumt, nicht klischeehaft genug verkramt“, lacht Hansen. Ihre Bilder hatten es dem Filmemacher angetan. Es folgte der Auftrag für eine Reihe Pferdebilder.

„Celle und Pferde – das passt einfach“, schwärmt Galeristin Ute Halbach-Meinecke. Und damit es nicht zu eintönig wird, ergänzen Werke zum Thema Strand und Landschaft die kleine Schau. Hansens „Drehort“ für ihre Malerei war Ahrenshoop. Das Küstenstädtchen in Mecklenburg-Vorpommern bildet die Kulisse für Pferde vor Strandkörben, Pferde auf einer Wiese, sowie für Strandspaziergänger und verschlafene Häuser in noch verschlafeneren Gegenden. Viel geschieht auf ihren Bildern nicht. Flächig gearbeitete Motive in kräftigen Farben lassen die zumeist im 60-mal-80 Zentimeter-Format gefertigten Arbeiten auf den ersten Blick plakativ wirken. Erst mit der Nähe zum Werk steigt die Spannung. Hansen deutet die Form nur an, mit breitem Pinselstrich ignoriert sie Details, betont scheinbar nach Lust und Laune hier und da mit einer Umrisslinie, was ihr wichtig erscheint. „Ich arbeite stets aus der Farbe heraus“, erklärt die 43-jährige, studierte Malerin ihre Prioritäten.
"Und dabei darf ich selbst nicht genau wissen, was dabei herauskommt.“ Für Hansen ist Malerei ein Schwebezustand, ein Herantasten an das Motiv durch die Farbe. Nur so lässt sie den im begleitenden Katalog überraschende Vergleich mit Paul Cézanne gelten.

„Cézannisch“ ist auf alle Fälle ihr Mut, mit Farben zu experimentieren. Gegenstände werden zugunsten der gesamten Bildwirkung ihrer realen Farbe beraubt. So wirkt es selbstverständlich, dass ein weißer Schimmel auf knallrotem Sand steht, durch den ein wenig Grün schimmert. Die vielen Farbschichten erzählen von der Suche nach der richtigen Balance zwischen Ruhe und Spannung, von dem Versuch, das Sichtbare unsichtbar zu machen und der Farbe ihren Raum zu geben. Der Film „Das Sichtbare und das Unsichtbare“ mit Pferdebildern von Ulrike Hansen wird zurzeit geschnitten und wird im Frühjahr im Kino zu sehen sein.