Michele Roccotelli: "Die Farbe, die Sonne und die Liebe"

Bereits zum siebten Mal zeigt der süditalienische Künstler Michele Roccotelli seine farbsprudelnden Arbeiten in der Galerie Halbach in Celle. Bewusst hat Ute Halbach-Meinecke ihn als Eröffner des Feierjahres der Galerie ausgewählt.

CELLE. „Der Monat Mai, der Monat der Braut, der Monat der Mama, der Monat der Frauen.“ In rhythmischem Italienisch ragt diese Lobpreisung des Wonnemonats aus grellem Gelb hervor auf dem Gemälde „Grande urbe del ramo“ des Künstlers Michele Roccotelli in der Galerie am Großen Plan.

Der süditalienische Künstler ist den Cellern längst nicht mehr unbekannt, vor allem nicht dem treuen Freundesstamm um Galeristin Ute Hal­bach. Mit ihrer Galerie lässt sie in diesem Jahr die Korken knallen, darf sie doch das 40-jährige Bestehen feiern. Auf mehr als 150 Ausstellungen und Veranstaltungen, unzählige Künstlerkontakte, einen Umzug und Neuanfang vor zwölf Jahren schaut sie freudig zurück. Dass sie die runde Vierzig mit Michele Roccotelli startet, mit der Ausstellung „Back in town“, habe seinen Grund: „Nicht nur, dass der vorliegende Katalog bereits die siebte Ausstellung eröffnet und umfasst“, so Halbach. „Schon seine Entdeckung während eines Urlaubes im Jahr 1988 in Verona stand unter einem besonderen Stern.“ Es sei die Kraft seiner Bilder gewesen, die die Celler Galeristin vom ersten Augenblick an fasziniert habe. Sie wollte den Maler kennenlernen und traf einen „echten Süditaliener, der seine Leidenschaft, seine Visionen der süditalienischen Landschaft abstrahiert, aber nachvollziehbar auf die Leinwand bannt.“

Im südlichsten Teil Italiens, in der Stadt Minervino Murge, nicht weit weg von Bari, wurde Roccotelli 1946 geboren. Nach seinem Studium hatte er zunächst in Rom gearbeitet, kehrte dann aber in seine Heimat zurück. Zwischen 1974 und 1995 war er in Bari als Dozent an der Kunstakademie tätig.

Für Celle hat Roccotelli neben seinen farbintensiven und impulsiven mediterranen Landschaften, den abstrahierten Elementen Wasser, Feuer, Luft und Erde sowie der facettierten Serie „Urbs“ wieder Celler Stadtarchitektur in seine Bildwelten integriert. Wild durcheinander wirbeln Farbtupfer und kubistisch angeregte Zergliederungen, eine offenbar grenzenlose Energie. Aus den Bildschichten graben sich hier und da collageartig Papiere oder faltenwurfähnliche Zeitungsfetzen ans Licht. Wie der gut gelaunte Künstler mit dem frischen Temperament erklärte, habe er alles aus Italien mitgebracht: die Farbe, die Sonne und die Liebe. Als Spontan-Dolmetscherin sprang Michela Esposito Hamilton aus Celle zur Eröffnung ein, die ebenfalls aus Süditalien stammt. So möge man in seine Bilder hineingehen, riet Roccotelli und endete mit einem wiederum klangschönen Satz: „Sucht in meiner Welt Eure Welt. Grazie.“

Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 10. April in der Galerie Halbach, Am Großen Plan 14, montags 11 bis 18.30 Uhr, dienstags bis freitags 10 bis 18.30 Uhr und sonnabends 10 bis 16 Uhr.