Elena Gatti: "Stille Werke voller Geschichte - Licht, Wärme und Melancholie"

Bilder voller Licht und Wärme, Bilder gefüllt mit unentdeckten Geschichten: Das ist die ganz eigene Ästhetik der argentinischen Künstlerin Elena Gatti.

Ihre neuesten Werke sind in der Celler Galerie Halbach zu sehen – eine lohnenswerte Ausstellung.

Elena Gattis Bilder können sprechen. Sie erzählen von der lichtdurchfluteten Wärme Mallorcas, von der sanften Melancholie Argentiniens und sie erzählen von ihr selbst. Stille Bilder voller Intensität. Sie leuchten, sie schmeicheln, sie spiegeln ein Stückchen Seele wider. Dabei nie aufdringlich und niemals nur auf Effekte abzielend.

Verwebte Stillleben, die alles andere als statisch bleiben. Elena Gatti geht weiter, als die Gegenständlichkeit ihr vorgibt. Schicht um Schicht werden aus den Acrylwerken transparente Kompositionen, denen eine ganz eigene Harmonie zu Grunde liegt. Die Harmonie der räumlichen Tiefe, die mal überlappende Strukturen schafft, mal wärmende Farbarrangements. Als Akzente: Sattes Rot oder ein sonniges Orange, das ins Braune changiert. Kontrastierende Kälte sucht man in Gattis Bildern vergebens. Die südlich-mediterrane Tonpalette und sanfte Pastellfarben sind ihre Werkzeuge. Selbst Grautöne erwachen bei ihr zu Leben – es ist das verwischte Grau regnerischer Himmel, das Grau verschwommener Tage. Es ist zuerst das Licht, das Gatti an jedem Ort wahrnimmt, mitnimmt und das sie in ihre Bilder trägt. Und so wohnt jedem ihrer Werke eine ganz fragile Stimmung inne.

Diese Stimmungen fängt Gatti in dem Alltäglichen ein. „Ich male das, was mich umgibt“, sagt die Künstlerin, die seit 1989 in Palma de Mallorca lebt und arbeitet, jedoch in Argentinien geboren wurde und dort Kunst studiert hat. Ihre Themen sind das Stillleben und der weibliche Akt. Ihre Handschrift ist unverkennbar, modern aber dennoch fast klassisch, altertümlichen Fresken ähnelnd, verwaschen von der Zeit.

Dabei ist, was zufällig wirkt, durchaus durchdacht. „Ich male nicht nur mit dem Herzen, ich male auch mit dem Kopf“, beschreibt Gatti. So wirken weiche Formen – hauptsächlich Vasen, Gläser, Tischkompositionen, aber auch die Schultersilhouette einer Frau – im Kontrast mit beispielsweise der harten Linie eines Stuhlbeins oder zielsicher gesetzten, konturierten Farbflächen. Auch Fetzen einer alten, vergilbten Zeitung finden in ihren Werken Platz.

Ihre hauptsächlich großformatigen Werke erzählen vom Leben, von Menschen – und wie schwer beide zu fassen sind. „Ich will gar nicht vorgeben, was in meinen Bildern zu sehen ist“, erklärt die Malerin ihre Entscheidung, das Gegenständliche ins Abstrakte rutschen zu lassen. „Jeder soll ein Stück von sich selbst hinter den Schichten und Formen der Farben finden.“ Deswegen keine Portraits, deswegen lediglich eine Andeutung von Gegenständlichkeit. Es ist das Narrative, das an ihren Bildern fasziniert. Die Geschichten, die Gatti erzählt, muss jedoch jeder selber suchen.

Cellesche Zeitung, Stefanie Dettmar am 15.03.2004