Bernhard Vogel: "Ein Krimi für die Augen"

Arbeiten der vergangenen drei Jahre präsentiert der Künstler Bernhard Vogel in der Celler Galerie Halbach. Dabei geht die Bandbreite der 47 Werke von Städteansichten und Blumenstillleben bis zu Mixed-Media-Arbeiten, in denen er Aquarell mit der Collage verbindet.

CELLE. Wie fühlt sich Venedig an? Wie riecht Dresden? Und wie frech kann der Hamburger Hafen sein? Bernhard Vogel inhaliert Stadtluft, erspürt die Atmosphäre bedeutender Metropolen und bringt die Antworten in Aquarell auf die Leinwand. 47 seiner Arbeiten der vergangenen drei Jahre, Städteansichten und Blumenstillleben, sind jetzt in der Celler Galerie Halbach zu sehen. Mittlerweile zum fünften Mal ist der 45-jährige Autodidakt, der in Salzburg lebt und arbeitet, hier zu Gast.

Und wieder einmal demonstriert Vogel, dass er ein Meister seines Fachs ist. Auch wenn es in seinen Bildern sprenkelt und spritzt, feine Striche übermütige Formen bändigen und sie wie ein feines Gewebe zusammenhalten müssen. Wirr-chaotisch wirkt das nicht. Gesteuerter Zufall mit Kurs auf Überraschungen lautet das Vogelsche Prinzip. So wird selbst aus einem banalen Blumenstrauß in einer schlichten Vase ein Krimi für die Augen. Wasserränder erheben sich neben Schlieren, zerlaufende Flächen ergeben Phantasiegebilde. Erst mit zunehmender räumlicher Distanz zum Werk wird aus dem Strauß wieder ein Strauß.

Ebenso souverän wie mit der Form geht Vogel mit der Farbe um. Wie selbstverständlich schimmern Venedigs Kirchtürme durch unwirklich-milchiges Gelb-Orange. Teile einer Brücke und der Häuserfassade kontrastieren in tiefem Rot. Vogel interessiert sich nicht für die „echten” Farben. Bei seiner Arbeit vor Ort lässt er die Atmosphäre auf sich wirken. „Und durchs Malen entsteht wieder eine ganz eigene Stimmung”, erläutert der Künstler.

Doch die Schau hat noch mehr zu bieten. In seinen Mixed-Media-Arbeiten zeigt Vogel, dass das vom Aquarell geforderte spontane Reagieren und Riskieren gepaart mit Phantasie nicht die Endstationen seiner künstlerischen Entwicklung darstellen. Hier verbindet er das klassische Aquarell mit der Collage. Es sind „Relikte von Reisen”, wie Vogel sie nennt, Postkarten und Zeitungsfetzen, die sich in die Bildkomposition einfügen. Da watscheln zum Beispiel zwei Pinguine mitten durch New York. Sie kommen mit einem Achselzucken daher. Lässig und selbstverständlich. Arbeiten zum Entdecken und Staunen.

Cellesche Zeitung vom 14.11.2006, von Silja Weißer